Omega-3 Fettsäuren

Degenerative und entzündliche Gelenkserkrankungen wie beispielsweise Arthrose oder Arthritis sind in späteren Stadien sehr schmerzhaft und schränken die Bewegungsfähigkeit deutlich ein. Konventionelle Schmerztherapien stützen sich auf die Langzeitanwendung von nicht-steroidalen Antirheumatika, kurz NSAR. Diese haben jedoch schwere Nebenwirkungen und können unter anderem das Herz-Kreislaufsystem stark belasten.

Als Alternative werden seit vielen Jahren unter anderem auch die Omega-3-Fettsäuren erforscht. Diese sind die natürlichen Gegenspieler der Omega-6-Fettsäuren, die als Grundlage für die Synthese von Prostaglandinen dienen, welche die Entzündungsreaktionen in den betroffenen Gelenken schüren. Doch inwieweit helfen Omega-3-Fettsäuren überhaupt, die Schmerzen bei Arthritis zu verringern?

Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd

Die Auswertung von 23 Studien durch Miles und Calder zeigte, dass Omega-3-Fettsäuren eine schwache, aber dennoch nachweisbare Wirkung in Arthritispatienten besitzen. Demnach verringerte sich unter Behandlung mit Omega-3-Fettsäuren die Schmerzintensität, die entzündungsbedingte Schwellung der Gelenke und ebenso die morgendliche Gelenksteifigkeit. Darüber hinaus führte der Konsum der Omega-3-Fettsäuren zu einer signifikanten Abnahme der NSAR-Einnahme zur Linderung der Schmerzen (Quelle: Miles & Calder. 2012. Influence of marine n-3 polyunsaturated fatty acids on immune function and a systematic review of their effects on clinical outcomes in rheumatoid arthritis. British Journal of Nutrition 107(Suppl 2), 171-84).

Die ersten Hinweise auf einen Effekt der Omega-3-Fettsäuren bei Arthritis erhielten Forscher in Experimenten an Mäusen. Ierna und Kollegen fütterten arthritische Mäuse mit Krill-Öl. Im Ergebnis der Studie zeigten die Mäuse geringere Entzündungsraten und zeigten weniger starke Zerstörungen in den betroffenen Gelenken (Quelle: Ierna et al. 2010. Supplementation of diet with krill oil protects against experimental rheumatoid arthritis. BMC Musculoskeletal Disorders 11, 136, doi: 10.1186/1471-2474-11-136).

Eine erste kleinere Studie an 23 menschlichen Probanden brachte 2010 ein interessantes Ergebnis. Obgleich die Probenmenge sehr klein war, hatten die Probanden, die mit 0,2 g Fischöl pro Kilogramm Körpergewicht behandelt wurden, eine nachweisliche Verbesserung der Gelenkschwellungen erfahren (Quelle: Bahadori et al. 2010. Omega-3 Fatty acids infusions as adjuvant therapy in rheumatoid arthritis. JPEN J Parenter Enteral Nutr. 34(2), 151-5, doi: 10.1177/0148607109342130). Aussagen über die Anwendbarkeit von Omega-3-Fettsäuren zur Behandlung von Arthritispatienten können streng wissenschaftlich aus dieser Studie noch nicht abgeleitet werden, da die Anzahl der untersuchten Personen relativ gering war. Die Autoren wiesen abschließend darauf hin, weitere Studien mit mehr Probanden anzuschließen.

Große Übersichtsarbeit: Omega-3 Fettsäuren reduzieren Bedarf an Schmerzmitteln

Im Jahr 2012 veröffentlichten Lee und Kollegen schließlich ihre Meta-Analyse zum Einfluss von Omega-3-Fettsäuren auf die Symptome einer Arthritis (Quelle: Lee et al. 2012. Omega-3 polyunsaturated fatty acids and the treatment of rheumatoid arthritis: a meta-analysis. Arch Med Res. 43(5), 356-62, doi: 10.1016/j.arcmed.2012.06.011).

Die Studie umfasste 183 Arthritis-Patienten und 187 Personen aus Placebo-Gruppen. Mit der Einnahme von Omega-3-Fettsäuren wurde der Konsum von konventionellen Schmerzmitteln (NSAR) nachweislich reduziert. Darüber hinaus zeigte sich ein Trend zur Verbesserung der Beschwerden in Hinblick auf Morgensteifigkeit der Gelenke, Schwellungen sowie Entzündungen. Dennoch waren diese Ergebnisse nicht statistisch abzusichern. Obgleich der NSAR-Konsum durch die dreimonatige Einnahme von 2,7 g Omega-3-Fettsäuren täglich abnahm, schlussfolgerten die Wissenschaftler, dass weitere Untersuchungen notwendig seien, um zu gesicherten Aussagen über die Wirkung der Omega-3-Fettsäuren bei Arthritis-Patienten zu kommen.

Schließlich wurde in einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2013 eine neue Entwicklung im Bereich der Omega-3-Fettsäuren beschrieben: die Resolvine (Quelle: Norling & Perretti. 2013. The role of omega-3 derived resolvins in arthritis. ). Diese neue Klasse von bioaktiven Lipiden wird chemisch von den Omega-3-Fettsäuren abgeleitet. Sie sind sehr viel wirkungsvoller als die Omega-3-Fettsäuren und wirken ähnlich wie diese hauptsächlich als Entzündungshemmer. Weitere Studien sind jedoch nötig, um das volle Potenzial der Resolvine für eine zukünftige Anwendung zu erforschen.

Weitere Quellen:

http://ideen-und-wissen.blogspot.de/2013/04/schmerztherapie-bei-arthrose-von.html